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FAQ für Gläubiger von Reisebüro Fahrenkrog

Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Reisebüro Fahrenkrog Touristik & Business Travel GmbH & Co KG mit Hauptsitz in Kiel erreichen den vorläufigen Insolvenzverwalter Reinhold Schmid- Sperber  viele Anfragen von Kunden und Gläubigern. Sein Team hat die häufigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Diese finden Sie nachfolgend und auch hier zum Download, Stand 31. Juli 2020

1. Ich habe über das Reisebüro eine Reise oder ein Zug- bzw. Flugticket gebucht. Hat die Insolvenz hierauf Auswirkungen?

Antwort: In der Regel nicht. Dies gilt in jedem Fall, in dem die Reise direkt an den Leistungsträger/Veranstalter bezahlt wurde. Grundsätzlich hat Fahrenkrog nur Reisen vermittelt. Folglich ist Ihr Vertragspartner der jeweilige Reiseveranstalter. Die Insolvenz des Reisebüros hat auf dieses Vertragsverhältnis keine Auswirkungen und Sie können Ihre Reise unbeschwert antreten.

Wenn über das sogenannte Agenturinkasso mit dem Veranstalter abgerechnet wurde und die Zahlung von dem Reisebüro bereits weitergeleitet wurde, gilt derselbe Grundsatz. Bei noch nicht bezahlten oder angezahlten Reisen wird der Zahlungsweg jetzt nach Möglichkeit von Agenturinkasso auf Direktinkasso geändert, sodass direkt an den Veranstalter gezahlt wird.

Beim Agenturinkasso können die Fälle jedoch teilweise rechtlich anders gelagert sein. Diese Einzelfälle werden aktuell noch geprüft, sodass die Antwort zunächst unverbindlich ist. Die verbindliche Antwort werden wir hier demnächst nachpflegen.

2. Ich möchte eine Reise oder ein Zug- bzw. Flugticket buchen. Kann ich das bei Fahrenkrog ohne Risiko tun?

Antwort: Absolut. Denn im Falle einer Buchung über das Reisebüro Fahrenkrog schließen Sie den Vertrag rechtlich mit dem jeweiligen Leistungsträger/ Reiseveranstalter ab, nicht mit dem Reisebüro selbst. Der Leistungsträger/Veranstalter führt die Reise durch und haftet auch für die Erfüllung. Zudem werden zukünftige Reisen nur noch im Direktinkassoverfahren abgerechnet, sodass eine Zahlung direkt an den Leistungsträger/Veranstalter und nicht an die insolvente Gesellschaft erfolgt.

Das Reisebüro erhält für die Beratung lediglich eine Provision vom Leistungsträger/Veranstalter selbst bzw. berechnet ein Serviceentgelt für die Vermittlung von Tickets.

3. Bei der Buchung wurde mir ein Insolvenz-Versicherungsschein ausgehändigt. Kann ich diese Versicherung in Anspruch nehmen?

Diese Versicherung gilt nur auf den Fall der Insolvenz eines Reiseveranstalters, nicht aber eines Reisebürounternehmens. Für den vorliegenden Fall ist sie bedeutungslos.

4. Welche Art von Ansprüchen sind überhaupt Insolvenzforderungen?

Antwort: Sämtliche begründete Forderungen, die vor dem 24. Juli 2020 (Datum des Insolvenzantrags) entstanden sind und noch bestehen, sind Insolvenzforderungen und werden nach den gesetzlichen Vorgaben des Insolvenzrechts (anteilig) mit der noch zu ermittelnden Insolvenzquote beglichen. Hierzu gehören grundsätzlich alle Ansprüche gegen das Unternehmen, z.B. auch Reisegutscheine.

Forderungen die ab dem 24. Juli 2020 bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens (voraussichtlich im Oktober 2020) entstanden sind, gehören ebenfalls zu den Insolvenzforderungen. Sie werden aber vollständig beglichen, wenn sie mit ausdrücklicher Zustimmung oder auf Veranlassung des vorläufigen Insolvenzverwalters entstanden sind.

5. Ab und bis wann muss ich meine Forderungen geltend machen?

Antwort: Ab Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens, derzeit voraussichtlich ab Oktober 2020. Im Grunde haben Sie hierfür die gesamte Dauer des Verfahrens Zeit. Das Gericht setzt in seinem Eröffnungsbeschluss jedoch eine Frist zur Anmeldung von etwa sechs bis acht Wochen ab Eröffnung. Nach dieser Zeit ist eine Gebühr von 20 Euro beim Amtsgericht Kiel zu zahlen.

Forderungsanmeldungen, die vor Eröffnung des Verfahrens eingehen, können leider keine Berücksichtigung finden.

6. Wo muss ich meine Forderungen anmelden?

Antwort: Die Forderungen können nach Eröffnung des Verfahrens angemeldet werden bei:

Reimer Rechtsanwälte
Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber
Schwedenkai 1
24103 Kiel

7. Wie muss ich meine Forderungen anmelden?

Antwort: Bereits eingereichte Rechnungen genügen nicht. Sofern diese im Unternehmen bereits vorliegen, wird der Insolvenzverwalter Sie gesondert anschreiben und über das Prozedere informieren.

In jedem Fall müssen Sie Ihre Forderung hiernach aber noch gesondert schriftlich geltend machen. Dabei müssen Sie deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass die

Forderung „zur Insolvenztabelle” angemeldet wird und die konkrete Höhe der Forderung nennen.

Mit der Anmeldung der Forderungen sind Sie formal als Gläubiger erfasst und werden in Zukunft individuell vom Insolvenzverwalter informiert.

8. Inwiefern hilft mir das „Gläubigerinformationssystem“ auf der Internetseite von Reimer Rechtsanwälte (www.reimer-rae.de)?

Antwort: Nachdem Sie bei dem Insolvenzverwalter als Gläubiger erfasst worden sind, erhalten Sie Ihre individuelle Zugangs-PIN zu dem Gläubigerinformationssystem. Über dieses können Sie den aktuellen Verfahrensstand einsehen und nach Prüfung Ihrer angemeldeten Forderung bei dem Insolvenzgericht das Ergebnis der Prüfung Ihrer Forderung abrufen. Außerdem können Sie hierüber die aktuellen Berichte einsehen.

9. Welchen Anteil meiner Forderung wird der Insolvenzverwalter zahlen? Und wann kann ich mit dem Geld rechnen?

Antwort: Die Höhe der Insolvenzquote hängt von der Höhe der Insolvenzmasse und der Höhe der insgesamt gegenüber Fahrenkrog geltend gemachten Forderungen ab.

Über die Höhe der Quote kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.

Ferner steht noch nicht fest, wieviele Forderungen in welcher Höhe insgesamt bestehen, beziehungsweise noch gestellt werden.

Die Auszahlung der Insolvenzquote erfolgt erst bei Abschluss des Insolvenzverfahrens. Mit einem Abschluss des Verfahrens ist nicht vor 2022 zu rechnen.

Vor Abschluss des Verfahrens können keine Insolvenzforderungen ausgezahlt werden. Möglicherweise kann aber eine Abschlagzahlung erfolgen.

Nach heutigem Stand gilt als sicher, dass Gläubiger ihre Forderung nicht in voller Höhe ausgezahlt bekommen werden.

10. Ich habe eine (Dienst-)Leistung erbracht, dafür aber noch kein Geld bekommen. Kann ich noch mit einer Zahlung rechnen?

Antwort: Forderungen für Leistungen oder Lieferungen, die vor dem Insolvenzantrag am 24. Juli 2020 erbracht wurden, sind Insolvenzforderungen. Diese bekommen Sie später anteilig in Höhe der Insolvenzquote ausgezahlt, sofern das Verfahren eröffnet wird.

Forderungen für Leistungen die nach dem 24. Juli 2020 mit Zustimmung oder auf Veranlassung des Insolvenzverwalters erbracht wurden, sind keine Insolvenzforderungen und werden in voller Höhe ausgezahlt.

11. Wer zahlt die Kosten, wenn ich zur Durchsetzung meiner Forderungen einen Rechtsanwalt einschalte?

Antwort: Dem Grunde nach sind die Kosten von der insolventen Gesellschaft zu erstatten. Sie stellen dann allerdings nachrangige Insolvenzforderungen dar. Diese werden erst nach vollständiger Befriedigung der Hauptforderungen, und dann ebenfalls lediglich anteilig mit der noch zu ermittelnden Insolvenzquote bedient.